„Words in Flame“ / „Wörter in Flammen“

Wie funktionieren die Bibliotheken in der Ukraine in Zeiten des Krieges? Insbesondere jene in der Nähe der Frontlinie, nur wenige Kilometer von der russischen Grenze entfernt, aber auch in der Hauptstadt selbst?
Die Antwort darauf finden Sie in der Fotoserie der Ausstellung „Words in Flame“, die ab dem 01.08.2026 in der Zentralen Universitätsbibliothek Greifswald zu sehen ist. Die Ausstellung dokumentiert die Verbrechen der Russischen Föderation an der ukrainischen Kultur und an allen Ukrainerinnen und Ukrainern, die sie schaffen, unterstützen und wiederbeleben. Sie ist aber auch ein Zeichen für den Kampf und den Wunsch, die Kultur trotz allem wieder zu erneuern, zu lesen und weiterzuentwickeln.

Viele ukrainische Bibliotheken wurden von den russischen Truppen dem Erdboden gleichgemacht. Bis zum Sommer 2025 wurden 214 Bibliotheken vollständig zerstört. 904 Bibliotheken wurden beschädigt, 561 haben ihre gesamte Ausstattung verloren und 1.492 stehen ohne jeglichen Buchbestand da. Diese Zahlen wurden bereits dreimal aktualisiert und es wurden immer neue Geschichten zur Ausstellung hinzugefügt.
Nur ein verschwindend geringer Prozentsatz der schwer beschädigten Bibliotheken konnte wieder aufgebaut werden. Derzeit sind dank der Unterstützung von Gemeinden, Spender*innen und Freiwilligen 211 Einrichtungen wieder in Betrieb.

Ukrainische Bibliotheken befinden sich in einem ständigen Zustand zwischen Krieg und Wiederaufbau. Wir holen Bücher aus den Trümmern, bauen neue Wände, ziehen in andere Räumlichkeiten um und machen Platz in unseren Räumen, um sie mit neuem Leben zu füllen. Und die Leser*innen sind da. Trotz allem warten sie darauf, dass ihre Bibliotheken zurückkehren, und holen sich Bücher – neue oder durch Trümmer beschädigte. Sie vertrauen auf die Bibliothekar*innen, die auf wundersame Weise Inseln der Sicherheit in diesen Räumen schaffen.

Der Alltag der betroffenen und umgesiedelten Bibliotheken ist eine ständige Suche nach zusätzlichen Ressourcen, um weiterleben zu können und ihren Benutzer*innen Sicherheit, Komfort und hochwertige Dienstleistungen zu bieten.

Zerstörte Bibliotheken werden nicht aufgegeben. Sie leben durch das Engagement von Bibliothekarinnen und Bibliothekaren weiter, die sich dafür einsetzen, dass ihre Gemeinden gehört, bekannt gemacht und erinnert werden. Denn Bibliotheken tragen Geschichte weiter und bewahren sie. Die ukrainischen Bibliotheken bleiben sich treu. Wir alle, die ukrainische Bibliotheksgemeinschaft, werden weiterhin Zeugnis ablegen.

Die Ausstellung wurde von Artists Support Ukraine Foundation in Kooperation mit Library Country konzipiert sowie gestaltet und organisiert durch die Ukraine-Kontaktgruppe der dbv-Sektion 4 und gefördert von Berufsverband Information Bibliothek e.V. (BIB) und dem Verein Deutscher Bibliothekarinnen und Bibliothekare e.V. (VDB).

Die Ausstellung ist auf Deutsch und Englisch und kann bis Mitte Oktober während der Öffnungszeiten der Zentralen Universitätsbibliothek Greifswald besucht werden: Montag–Freitag 8:00–22:00 Uhr, Samstag–Sonntag 9:00–22:00 Uhr.
Der Eintritt ist frei.