Publizieren als Wissenschaftlerin: Ungleichheiten, Gender Gap und Unterstützungsangebote der Universitätsbibliothek
Informationsveranstaltung der Universitätsbibliothek
2. Juni 2026 12:30–14:00 Uhr
In Deutschland lag der Frauenanteil an allen wissenschaftlichen Publikationen im Jahr 2022 bei 34,6 %. Global gesehen werden rund 70% der wissenschaftlichen Artikeln von Männern verfasst. Insbesondere in der Gruppe der hochproduktiven Autor*innen mit einem Artikeloutput von mehr als 10 Artikeln sind Frauen massiv unterrepräsentiert. In der Präsentation wollen wir die Ursachen dieses Ungleichgewichts beleuchten und die Effekte aus bibliothekarischer Sicht erklären. Dabei soll auch der Unterschied zwischen der Gender Publication Gap und der Gender Citation Gap verdeutlicht werden. Des weiteren werden Maßnahmen zur Gleichstellung der Geschlechter im wissenschaftlichen Publikationssystem wie das Gender Impact Assessment auf systemischer Ebene oder konkrete Fördermöglichkeiten auf lokaler Ebene aufgezeigt, damit die Teilnehmer*innen mit einem besseren Verständnis für das Problem und konkreten Unterstützungsangeboten ausgestattet ihre eigne Publikationsstrategie überdenken können.
Selbstverständlich wird genug Zeit für Fragen und Diskussion eingeplant, damit sich die Wissenschaftler*innen auch untereinander austauschen können.
Referentinnen: Wiebke Kartheus und Dr. Ariane Retzar
Onlineveranstaltung, Link folgt
Wer wird sichtbar – und warum? Den Gender Publication Gap erkennen und überwinden
Podiumsdiskussion
3. Juni 2026 16:30–18:00 Uhr
Wie kommt es eigentlich, dass bestimmte Leistungen in der Wissenschaft sichtbar werden, während andere systematisch untergehen? Welche Arbeitsschritte sind für eine Publikation erforderlich und unter welchen Bedingungen werden sie geleistet? In der Wissenschaft existieren strukturelle Barrieren, die zu einem ungleichen Publikationsverhalten von Frauen und Männern führen: „Frauen haben einen höheren Anteil an Care-Arbeit und administrativen Aufgaben in Institutionen, wodurch weniger Zeit für Forschung und Publikationen zur Verfügung steht. Darüber hinaus zeigen Studien, dass Frauen bei Peer-Review-Prozessen und bei der Auswahl von Forschungsanträgen des öfteren systematisch benachteiligt werden und ihre Manuskripte häufiger strenger bewertet werden." (https://www.innovative-frauen-im-fokus.de/infopool/daten-und-fakten/gender-citation-gap/gender-publication-gap/)
Die Podiumsdiskussion wird die strukturellen Mechanismen beleuchten, die geschlechtsbezogene Ungleichheiten in wissenschaftlichen Karrieren (re-)produzieren, und möchte gleichzeitig Bedarfe von Nachwuchswissenschaftler*innen ergründen sowie Maßnahmen für mehr Geschlechtergerechtigkeit im Wissenschaftssystem identifizieren.
Gäst*innen: Prof.in Katja Wengler (Prof. für Wirtschaftsinformatik an der DHBW), Dr.in Lena Eckert (Genderwissenschaftlerin/Netzwerk Mutterschaft und Wissenschaft), Dr.in Alessa K. Paluch (wissenschaftliche Mitarbeiterin am CDFI der Uni Greifswald), Christian Winterhalter (Direktor der Universitätsbibliothek Greifswald)
Moderation: Dr.in Jenny Linek (zentrale Gleichstellungsbeauftragte der Uni Greifswald)
Vortragssaal der UB, Felix-Hausdorff-Straße 10 (hybrid – Link folgt)
Care Concentration Gap – wie Sorgearbeit Fokusräume verschließt
Vortrag und Fragerunde
4. Juni 2026 13:00–15:00 Uhr
Der Care Concentration Gap bezeichnet die strukturell ungleiche Verteilung konzentrierter Arbeitszeit zum Nachteil von Menschen mit Sorgeverantwortung.
Insbesondere Frauen/FLINTA* erleben, dass sie sich den Rückzug in tiefe, ungestörte Denk- und Schreibarbeit aktiv erkämpfen und verteidigen müssen – selbst dann, wenn formal Zeit zur Verfügung steht. Konzentration, die im Wissenschaftsbetrieb als Schlüsselressource für Forschung, Schreiben und Karriere gilt, ist damit nicht gleich verteilt, sondern eng mit Fragen von Care-Arbeit, Verfügbarkeit und Macht verbunden. Der zweistündige Online-Vortrag führt in das Konzept des Care Concentration Gap ein und ordnet es in aktuelle Debatten zu Care-Arbeit, Mental Load, Geschlechterungleichheiten und wissenschaftlicher Produktivität ein.
Auf Basis empirischer Befunde, einschlägiger Fachliteratur sowie qualitativer Einblicke aus der langjährigen Arbeit mit Wissenschaftler*innen wird gezeigt, wie Sorgearbeit – insbesondere in ihrer kognitiven und emotionalen Form – Fokusräume systematisch verschließt. Dabei wird deutlich, dass es sich nicht um individuelle Organisations- oder Resilienzdefizite handelt, sondern um strukturelle Bedingungen, die wissenschaftliche Karrieren ungleich beeinflussen und bestehende Ungleichheiten reproduzieren.
Der Vortrag schließt mit einer moderierten Q&A-Phase, die Raum für Austausch, Einordnung und Anschlussfragen bietet.
Referentin: Dr.in Wiebke Vogelaar
Link folgt
